Psychische Gesundheit

Stressfolgen wie Schlaflosigkeit, Rückenprobleme, Sucht- oder Angsterkrankungen bis hin zu Depressionen sind leider auch im Holzbau Realität. Was können Vorgesetzte dagegen tun? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Träger des Qualitätslabels Holzbau Plus an ihrem Branchenevent Anfang November im Luzerner Rathaus.
Kernstück der Veranstaltung bildete das Inputreferat von Dr. Désirée Stocker vom Büro BASS. Sie stellte die Studie «Was ist bloss mit Max Muster los?» vor, die sie im Auftrag des Vereins Artisana in Kooperation mit der Universität Bern durchführte. Die Arbeits- und Organisationspsychologin befragte mit ihrem Team knapp 300 Kleinunternehmen aus dem produzierenden und verarbeitenden Gewerbe zu ihrem Umgang mit psychisch erkrankten Mitarbeitenden. Denn: anders als in grösseren Betrieben, sind Verantwortliche von Kleinunternehmen meist auf sich allein gestellt, wenn psychische Probleme im Betrieb auftreten.
KMU können mehr, als sie meinen
«Es zeigte sich, dass Kleinunternehmen über wertvolle Ressourcen im Umgang mit psychischen Belastungssituationen verfügen», kommentierte Désirée Stocker das Ergebnis der Studie. «Die Betriebe zeichnet Nähe, Flexibilität und Vielseitigkeit aus. Vorgesetzte haben die Möglichkeit, rasch und unkompliziert auf Probleme zu reagieren. Man kennt sich untereinander meist persönlich, und durch die tägliche Zusammenarbeit bleiben Problemanzeichen und Veränderungen kaum unbemerkt.» Die Wissenschaftlerin gab jedoch zu bemerken, dass Veränderungen zwar erkannt, die psychischen Aspekte der Problematik oft nicht oder nur sehr spät angesprochen würden. Noch immer werde das Thema als privat oder als angst- und hemmungsbeladen erachtet. Die Vorteile von kleinen Betrieben seien darum oft auch deren Knackpunkte: Die Nähe erschwere eine professionelle Distanz und die Betriebsleitung sei einer Mehrfachbelastung ausgesetzt. Diese Dilemmata bekräftigte auch Andreas, ein sogenannter «Peer» oder auch Experte aus Erfahrung der Stiftung Pro Mente Sana, der während des Referats immer wieder die Sicht eines Betroffenen schilderte. «Über all die Jahre hatte niemand den Mut gehabt, mich auf mein tatsächliches Problem anzusprechen: meine Drogensucht und Depression», so Andreas.
Im zweiten Teil des Abends tauschten sich die knapp 40 Teilnehmenden über ihre eigenen bisherigen Erfahrungen in ihren Betrieben aus und widmeten sich in den Diskussionen in den Kleingruppen gezielt dem Thema Wertschätzung. Nicht nur in Stresssituationen kann Lob und Anerkennung positive Auswirkungen auf Gesundheit und Leistung haben. Wertschätzung schafft auch eine Vertrauensgrundlage, wodurch sich schwierige Situationen gemeinsam besser meistern lassen und Probleme offen angesprochen werden können. Den Abschluss des Branchenevents bildete das gemeinsame Abendessen im Restaurant Rathaus Brauerei.